April 20, 2022 Tipps zum nachhaltigen Einkaufen in der Zahnarztpraxis

19 % der CO₂-Emissionen in Zahnarztpraxen sind laut einer Forschungsarbeit auf die Produktion und Lieferung von Verbrauchsgütern zurückzuführen. Der Einkauf bietet damit eine große Chance, die Praxis nachhaltiger zu gestalten.

Extreme Hitze, Hungersnot, Naturkatastrophen, verpestete Luft. Das sind nur einige der vielen Gefahren, die der Menschheit in Folge des Klimawandels drohen. Umso wichtiger, dass sich auch Zahnarztpraxen dem Thema der Nachhaltigkeit widmen – ein guter Startpunkt ist die Materialbeschaffung.

 

Warum Nachhaltigkeit?

Emissionen schießen in die Höhe und das 1,5 Grad-Ziel zerplatzt 

Klima, Emissionen und Fridays For Future. Begriffe, die mehr sind als Wörter in aller Munde. Trotzdem stiegen laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Jahr 2021 die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 4,5 %. Auch die Verwirklichung des festgelegten 1,5 Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens scheint aussichtslos.

 

Back to the roots: Beginn und Facetten der Nachhaltigkeit

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ tauchte erstmals im 18. Jahrhundert auf, als Oberberghauptmann von Carlowitz nur so viel Bäume schlagen ließ, wie sie im gleichen Zeitraum nachwachsen konnten.
Global verfolgen heute die Vereinten Nationen bis 2030 insgesamt 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung. Dabei richten sich Unternehmen nach dem „3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit“, auch „Triple Bottom Line“ genannt. Nicht nur für die Beschaffung gilt es demnach, ökologische, soziale und ökonomische Aspekte in Einklang zu bringen.

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auch „Triple-Buttom-Line“ (TBL) genannt: „Planet, People, Profit“ (PPP)



Nachhaltigkeit in der Zahnarztpraxis

Gesundheitssektor gehört zu den Spitzenreitern der Emissionen 

Die internationale NGO „Health Care Without Harm“ (Gesundheitswesen ohne Nachteile), hat die Emissionen im Gesundheitswesen genauer unter die Lupe genommen. Ihr Bericht zum Klima-Fußabdruck zeigt, dass alleine in Deutschland jährlich 57,5 Millionen Tonnen „medizinisches“ CO₂ erzeugt werden. Das entspricht etwa 5,2 % der Gesamtemissionen. 

 

Wo Praxis-Emissionen vermieden werden können 

Zum Glück können CO₂-Emissionen an vielen Stellen reduziert oder vermieden werden! Nachhaltigkeit berührt alle Bereiche mit begrenzten Ressourcen. Damit auch die Zahnarztpraxis, von Liefer- und Arbeitswegen, Mülltrennung und Energieverbrauch bis hin zur Lieferkette.
Der britische Professor Dr. Brett Duane für öffentliche Gesundheit und Zahnmedizin veröffentlichte 2019 in einer Forschungsarbeit erste Erkenntnisse zum CO₂-Abdruck in Zahnarztpraxen. Alleine 19 % der Emissionen seien auf die Produktion und Lieferung von Verbrauchsgütern zurückzuführen. Der Einkauf stellt dabei die erste Schnittstelle zwischen der Praxis und der Umwelt dar und bildet damit eine entscheidende Brücke auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zahnarztpraxis.¹ 

 

Mehrweg statt Einweg

Auf dem Weg zum nachhaltigen Einkauf ist ein vorrangiges Ziel, den Lebenszyklus der Produkte zu verlängern. Zum einen empfiehlt es sich dazu, auf Nachfüll-Packungen zurückzugreifen, wie bei Desinfektionstüchern.
Der Umstieg von Einweg- auf Mehrwegprodukten, insbesondere bei Mundspülbechern aus ​​Klarglas oder Hartporzellan, ist ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Auch bei der Sterilisation können Instrumente, statt herkömmlich eingeschweißt zu werden, in einem Sterilgutlagercontainer aufbewahrt werden. Das Gleiche gilt für Einmalspritzen bei der Lokalanästhesie, für die in Zukunft umweltschonende Zylinderampullenspritzen eingesetzt werden können.

 

Nachhaltige Materialien & Produkte

Recycelt ist nicht gleich Recyclebar 

Die Recyclingfähigkeit wird nicht nur durch die jeweilige Verpackung bestimmt, sondern auch von der nötigen Infrastruktur (sammeln, sortieren, recyceln). Recyclebar ist vieles, wirklich recycelt nicht alles.
Eine recycelte Desinfektionsflasche beschreibt die Beschaffenheit der Verpackung hinsichtlich der recycelten, enthaltenen Anteile. Oft ist sie auch selbst recyclebar, aber nicht immer.

Kürzel wie „PP, PS, PETE” auf Verpackungen geben die Art des Materials bei der Herstellung an. Eine wiederverwendbare Verpackung ist an der Möbiusschleife zu erkennen, dem bekannten, grünen Recycling-Symbol. Es vermittelt, dass die Verpackung potenziell recycelbar ist.

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Guter Kunststoff, böser Kunststoff 

Der Einsatz von Einwegartikeln in Zahnarztpraxen lässt sich alleine wegen der Hygieneverordnungen nicht vollkommen vermeiden.
Plastik wie synthetischer Kautschuk oder Polyvinylchlorid (PVC), sind aufgrund ihrer schlechten Umweltbilanz eher bedenkliche Kunststoffe. Sie enthalten nicht nur umweltschädliche, oft sogar gesundheitsschädigende Weichmacher, sondern sind außerdem nicht abbaubar und ihre Verbrennung verursacht giftige Dioxine.
Ebenfalls nicht natürlich abbaubar, aber wegen des leichteren Recyclings unbedenklicher, ist der Kunststoff Polyethylen. Praxismaterialien wie Einmalhandschuhe, Absaugkanülen oder Schläuche aus Polyethylen enthalten keine riskanten Weichmacher. 

Das kleinere Übel unter den Kunststoffen ist das Verpackungsmaterial Rezyklat. Darunter versteht man wiederverwendeten Kunststoff, der ausschließlich aus recyceltem Plastik (Polyethylen, Polypropylen oder Polyethylen-Terephthalat) besteht, ohne dass neues Plastik beigefügt wird. Dieses Rezyklat wurde zuvor von Haushalten oder Gewerbetreibenden entsorgt und wird in einem zweiten Lebenszyklus weiterverarbeitet. Mit diesem Schritt wird der Einsatz von Rohstoffen minimiert und gleichzeitig der Energiebedarf gesenkt. Für die Zahnarztpraxis gibt es beispielsweise bereits Verpackungen von Desinfektionsmittel aus diesem Kunststoff. Wenn Einwegprodukte aus Plastik nicht zu vermeiden sind, gelten Rezyklat oder Polyethylen als bessere Alternative.

Besser recyceln als wegwerfen, wie auch die Journalistin Anna Schunck sagt: „Alles was wir wegschmeißen, ist nicht weg, sondern nur woanders.“²

 

Praxisalltag nachhaltig gestalten

Auch bei Lebensmitteln wie Getränken für Mitarbeiter:innen ist es möglich, umweltfreundlich einzukaufen. Neben Mehrwegflaschen aus Glas dienen auch in diesem Fall Siegel wie Fairtrade oder das EU–Biosiegel als gute Orientierung.
Ob Hygiene- oder Büropapier, es empfiehlt sich, auf 100 % recyceltes Papier zurückgreifen sowie auf das Siegel „Blauer Engel“ zu achten. 

 

Weniger Abfall, mehr Digitalisierung

Ohne Frage spielt die Nachhaltigkeit eine große Rolle im Beschaffungsmanagement auf dem Weg zum klimaneutralen Gesundheitswesen. Durch eine intelligente Materialwirtschaft werden Prozesse bedarfsorientierter, digitaler und somit nachhaltiger. Damit werden nicht nur Ressourcen, sondern auch Zeit eingespart. Ganz nach dem Motto: keine Macht der Zettelwirtschaft. 

Wawibox_Icons_RGB_Energie_nachhaltigEine Antwort auf die Frage, wie und wo diese Tipps konkret in der Praxis angewendet werden können, geben meine Kollegin Laura Zahn und ich im Webinar „Nachhaltiges Beschaffungsmanagement“, das jederzeit on-demand verfügbar ist.

 

Umweltfreundliche Praxiskleidung

Nicht nur beim Einkauf von Verbrauchsmaterialien, sondern schon bei der eigenen Praxiskleidung beginnt der nachhaltige Einkauf. Es kann hilfreich sein, bei der Bekleidung auf nachhaltige Siegel zu achten. Der Ratgeber Textil-Siegel im Greenpeace-Check liefert eine zuverlässige Orientierung durch die Textilsiegel-Flut.
Zu nachhaltigen und unabhängigen Siegeln mit den strengsten Auflagen im Bereich der Bekleidung zählen beispielsweise IVN Best, GOTS oder Made in Green von Oeko-Tex. Es folgen im Ranking Bluesign, das Cradle to Cradle Siegel, das EU-Ecolabel oder Der Blaue Engel. Durch regionale Anbieter und Sammelbestellungen kann der Einkauf in diesem Bereich nachhaltig abgerundet werden.

 

Nachhaltige Give-aways & Spielsachen für Kinder

Kleinvieh macht auch Mist. Selbst bei den Spielsachen für die Kinder kann inzwischen schon auf Nachhaltigkeit geachtet werden, indem man das altbekannte Plastikspielzeug ersetzt. Als gutes Beispiel geht Frau Dr. Knobloch voran, wie sie uns in unserer Diskussionsrunde zum Thema „Chancen und Grenzen von Nachhaltigkeit” erzählt hat.
Sie hat in ihrer Praxis sehr viel
Holzspielzeug für die Kinder eingeführt. In einem Holz-Riesenrad sind von Holzstempeln, Holz-Rasseln, Ketten und Armbänder aus Holzperlen bis hin zu Kreiseln aus Holz alles zu finden.

Nicht nur Holz ist eine nachhaltige Alternative. Genauso wiederverwendbar sind Fingerpuppen aus Stoff, Glasmurmeln oder vegane Knetmasse. 

 

Was sagt die Gesetzeslage?

Um dem sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit Nachdruck zu verleihen, soll in Deutschland ab 2023 ein verbindliches Lieferketten-Gesetz eingeführt werden.
Unternehmen unterliegen damit bei Einkauf oder Produktion im Ausland der Einhaltung von Menschenrechten. Inwiefern Zahnarztpraxen und Dentallabore von dieser geplanten Einführung betroffen sind, wird in unserem  kostenlosen Webinar zum nachhaltigen Beschaffungsmanagement näher beleuchtet. 

 

Deine nächsten Schritte

Gutes tun und darüber sprechen

Die Umsetzung dieser Tipps wirkt sich nicht nur positiv auf die nachhaltigen Aspekte aus. Die Rolle der Praxis übernimmt gleichzeitig eine Vorbildfunktion und bessert im gleichen Zuge das Image auf. Wie Woody Allen sagte: „Das Geheimnis des Erfolgs? Anders sein als die anderen.“ Denn Umweltbewusstsein und kommuniziertes, nachhaltiges Verhalten ist gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal und hebt von anderen Mitbewerber:innen ab. 

 

Verbraucher:innen haben es in der Hand

Durch eine erhöhte und wiederholende Nachfrage bei Produzenten wird der Druck für mehr nachhaltige Produkte steigen. Ebenso kann bei Lieferanten nach dem „Code of Conduct“ gefragt werden. In diesem sind Standards zu Arbeits- und Umweltbedingungen verankert.

Zum heutigen Zeitpunkt gestaltet es sich noch als recht aufwendig, nachhaltige Produkte auf Anhieb zu erkennen. Wir bei Wawibox sind bereits mit unseren Händler:innen im Austausch, um Nutzer:innen unseres Preisvergleichs in Zukunft eine bequemere und transparentere Lösung bieten zu können.

Der erste Schritt ist schon getan: Auf unserer Empfehlungsseite findest du ausgewählte nachhaltige Produkte.

 

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Quellen:

1: Der Becher aus Pappe ist nur der Anfang (Stand: 04.04.2022)
2: Mülldeponien in Deutschland (Stand: 14.04.2022).

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